Räbeliechtli

Wo chunnsch her?

Golden glitzern die Blätter im Wind, es wird kälter und die Tage werden kürzer. Es ist Herbst und damit auch wieder Zeit für den alljährlichen Räbeliechtli-Umzug. Fleissig werden daheim die Räben geschnitzt und nicht weniger eifrig werden vom Kindergarten bis in die 2. Klasse die Räbeliechtli-Lieder fast täglich geübt.

In einem Lied, welches beim Umzug gesungen wurde, wird «Ein Lichtermeer zu Martins Ehr» erwähnt. Doch wer war dieser Martin? Im schweizerdeutschen Lied wird gefragt: «Räbeliechtli, wo bisch gsi?» Wir wollen nicht herausfinden, wo die Räben-Laterne schon war, sondern eher, woher sie bzw. dieser Brauch kommt. Es stellt sich heraus, dass es mehr als eine Ursprungsgeschichte dieses schweizweiten Brauches gibt.

Eine davon stammt aus dem Mittelalter. Zu dieser Zeit galten Räben, wie heute Kartoffeln, als Hauptnahrungsmittel. Die letzten geernteten Räben wurden ausgehöhlt, dekoriert und als Dank für die ergiebige Ernte als Laternen feierlich umhergetragen. In katholischen Gebieten wird der Räbeliechtli-Umzug meist mit dem Martinstag (11. November), in evangelischen eher mit dem Geburtstag des Reformators Martin Luther am 10. November in Verbindung gebracht. Der Martinstag ist benannt nach dem Heiligen Martin von Tours, der zwischen den Jahren 314-316 geboren wurde. Am 11. November gedenken Katholiken seiner Beerdigung.

Jetzt wissen wir: mit dem Räbeliechtli-Umzug feiern wir entweder ein Erntedankfest, gedenken der Geburt Martin Luthers oder des Begräbnisses von Martin von Tours, oder aber geniessen ganz einfach dieses stimmungsvolle Lichtermeer in einer kalten Herbstnacht.

Und im Dunkeln bei den Kindergärtnern auf dem Spielplatz, den Erstklässlern im Rosengarten und den Zweitklässlern auf der Landiwiese glänzen nicht mehr die Herbstblätter, sondern der Kerzenschein und die glücklichen Kinderaugen. Und mit dem Abklingen des Liedes «Mein Licht ist aus, ich geh nach Haus.», machen sich die Kinder mit ihren Eltern auf den Heimweg.